Sarah Grether

Filme mit Sarah Grether:


Filmographie von Sarah Grether

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FSK 16 2D

FSK 16 | Länge 104 Min. |
Erschienen am 11.08.2022
Drama
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Verstörend und hypnotisch zugleich. Das ist die Quintessenz eines Dramas, das im Kinoprogramm wahrlich eine Sonderrolle einnimmt. Sowohl der Regisseurin Isabelle Stever („Das Wetter in geschlossenen Räumen“) als auch ihrem Kameramann Constantin Campean gelingt es, ein absolutes Tabuthema ganz ohne Fragen, ohne Erklärungen und ohne moralische Deutungen ins Kino zu bringen.

Dabei wirkt der Film Grand Jeté trotz des schwierigen Themas niemals steif, sondern bewegt sich mit bedachtsamer Präzision in einem Umfeld, in dem aus anfangs zu großer Distanz eine immer größere Nähe entsteht, die letztlich die Grenzen der Erlaubten weit überschreitet. Die dezent diffuse Stimmung in den körperlichen Szenen lässt Raum und Personen eher alptraumhaft entfernt wirken, geht aber dann doch ganz nah.

So schwierig, wie das Thema selbst, stellen sich die Lebenswege der Protagonisten dar. Die Balletttänzerin Nadja, authentisch gespielt von Sarah Nevada Grether (u.a. „Die Verlorenen“), hat ihre besten Zeiten im Ballett längst hinter sich. Ihr jahrelang geschundener Körper quittiert die Schmerzen und den Erfolg mit unbarmherziger Härte. Sichtbar wird das schon in den Anfangsszenen von Grand Jeté, in denen in rücksichtsloser Detailliertheit die Spuren der Erfolgs nachgezeichnet werden.

Neben dem zerstörerischen  Umgang mit sich selbst geht ein ebenso zerstörerischer Umgang mit ihrem sozialen Umfeld einher. Um ihren Sohn Mario (Emil von Schönfels) kümmert sich die disziplinierte Nadja gar nicht. Zugunsten ihrer Karriere und ihres übersteigerten Egos gibt sie das Kind in die Obhut ihrer Mutter und pflegt über Jahre hinweg keinerlei Beziehungen zu dem Kind.

Ein leichter, aber tiefer Schmerz ist fraglos da, wird aber im strapaziösen Leben als Tänzerin einfach ausgeblendet und manchmal schon fast vergessen. Was am Ende bleibt, ist körperlicher Zerfall, eine tiefe innere Leere und am Ende ihrer Karriere die Arbeit als Ballett-Lehrerin. Die Härte, die sie selbst im Ballett erlebt hat, gibt Nadja erbarmungslos an ihre jungen Ballettschülerinnen weiter. Nicht wissend, dass da noch etwas in ihr schlummert, was schon bald aufgedeckt werden wird.

Auch im Leben von Mario geht es alles andere als rund zu. Seinem eigenen Körper huldigend, verbringt der Teenager viel zu viel Zeit in Fitnessstudios und nimmt auch schon einmal an obskuren Kink-Club Wettbewerben teil. Alles dreht sich nur um Körperlichkeit und Sexappeal, nichts um einen tieferen Sinn.

Nach den vielen Jahren der Trennung treffen Nadja und ihr Sohn Mario wieder aufeinander. Es wird eine schicksalhafte Begegnung, die von der Fremdheit genauso bestimmt ist, wie von der inneren Verbundenheit, die sich letztlich in  einer körperlichen Annäherung den  Weg nach Außen sucht. Was mit zärtlichen Berührungen beginnt, entlädt sich in leidenschaftlichem Sex, der aber immer gefühllos und irgendwie auch bedeutungslos bleibt. Die einzige Verbindung, die beide tatsächlich haben, ist die körperliche Anziehung des jeweils anderen, an der sie ihre eigenen Körper messen können.

Ganz ohne Fragen, Deutungen und Bewertungen setzt Isabelle Stever mit Grand Jeté ein schwieriges Tabuthema ins Kino, das den Zuschauenden fasziniert, hypnotisiert aber zugleich auch abstößt. Wer Grand Jeté im Kinoprogramm erlebt, muss sich nicht die Frage nach der Moral stellen, sondern viel eher auf ein Thema einlassen, das in einer geordneten Gesellschaft kein öffentliches Thema ist.

Verleih:
Little Dream Pictures
Regisseur:
Isabelle Stever
Mitwirkende:
Sarah Grether, Emil von Schönfels, Susanne Bredehöft