Vitus

Drama | Spieldauer 123 Min.



Zu diesem Film ist leider
kein Trailer verfügbar.


Vitus


DVD/Blu-ray kaufen: Amazon.de

FSK 0 2D

Länge 123 Min. | Erschienen am 21.12.2006
Drama | Schweiz/2006

Im zarten Alter von sechs Jahren gilt Vitus (Fabrizio Borsani) als hochbegabt. Der Junge spielt fabelhaft Mozart am Klavier, liest sich durch den Brockhaus und überfordert seine Eltern. Doch die ehrgeizigen Karrierepläne der Mutter (Julika Jenkins) und das einsame Außenseitertum an der Schule hinterlassen Spuren: Mit 12 rebelliert Vitus (Teo Gheorghiu) gegen das Elite-Dasein. Nur bei seinem urigen Opa (Bruno Ganz), einem schreinernden Flugzeugnarr, findet er die vermisste Freiheit. Und entwickelt einen blitzgescheiten Plan, dem Druck zu entkommen. Der Schweizer Oscar-Vorschlag ist ein leises, augenzwinkerndes Drama, in dem ein verschmitzter Außenseiter seinen Weg findet. Fredi M. Murer ("Höhenfeuer") schlägt mit Feinsinn und Beharrlichkeit sanfte Feel-Good-Töne an.

Ein Wunderkind lässt sich mithilfe von Bruno Ganz als liebevollem Großvaters nicht von der Erwachsenenwelt vereinnahmen und nimmt sein Leben selbst in die Hand In der Schweiz war die eigenwillige und souverän verwobene Geschichte vom super-begabten Kind, das schon als Dreikäsehoch gerne im Brockhaus blätterte, ein Kassenhit. 20 Jahre nach "Höhenfeuer" stellt Fredi M. Murer wieder einen ganz besonderen Jungen in den Mittelpunkt und schafft es, aus der üblichen Schablone dieses Themas auszubrechen, erzählt von Vitus, der mit seinem Großvater der Faszination des Fliegens erliegt und erst nach einigen Umwegen seinen Weg findet. In der Schule betrachten ihn die anderen als Außenseiter, er fühlt sich unterfordert und nervt Mitschüler und Lehrer durch penetrantes "Besserwissen". Seine Mutter will aus dem begnadeten Jung-Pianisten ein Wunderkind machen. Durch diese Rechnung macht der aufmüpfige Knabe einen Strich. Statt bei einer Koryphäe Unterricht zu nehmen, ertrotzt er sich einen Freiraum, in dem sein Großvater ihm ein Stück Normalität zurückgibt. Um sich vor den Anforderungen der Erwachsenen zu retten, gibt Vitus nach einem Unfall vor, seine außergewöhnlichen Fähigkeiten verloren zu haben. Während die Eltern verzweifeln, der Vater seinen Job verliert und die Mutter ihre Aktivitäten nur noch auf den Heranwachsenden konzentriert, ist der schon lange flügge geworden und macht die gewagtesten und erfolgreichsten Bankgeschäfte per Internet. Das klingt zwar märchenhaft, passt aber in den trotz allem leichtfüßigen Kontext. Die erst sechs-, später zwölfjährige Hauptfigur träumt ihren Traum in dieser Liebeserklärung an die Kindheit und die versöhnliche Kraft der Musik. Ein Glücksfall ist der zwölfjährige Teo Gheorghiu, der an der Purcell-School in London für musikalisch hochbegabte Eleven studiert und mit dem Züricher Kammerorchester das im Film entscheidende Konzert vor 1400 Zuhörer spielt, nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in Realität ein Genius. Ihn ergänzt Bruno Ganz, der lustvoll den widerborstigen Lebensphilosophen mimt, der mit Hut in der Schreinerei herumwerkelt und sich diebisch freut, wenn er seinen Enkel vor den Ansprüchen der Gesellschaft schützen kann und ihm sogar seine Finanzen anvertraut. Pate für diese verschrobene Figur, die auch im Alter nur so von Ideen sprüht und eine Wahnsinnsenergie ausstrahlt, waren Robert Walser und der Vater des Regisseurs mit seiner bodenständigen Betrachtung menschlicher Existenz. "Vitus" trifft mit seiner Mischung aus feiner Melancholie, frischen Mut der Jugend und leiser Wehmut des Alters mitten ins Herz. mk.

Verleih:
Schwarz-Weiss
Regisseur:
Fredi Murer
Mitwirkende:
Bruno Ganz (Großvater), Fabrizio Borsani (Vitus (6 Jahre)), Teo Gheorghiu (Vitus (12 Jahre)), Urs Jucker (Vater), Julika Jenkins (Mutter)