Sonnenallee

Komödie | FSK 6 | Spieldauer 94 Min.



Sonnenallee


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FSK 6 2D

FSK 6 | Länge 94 Min. | Erschienen am 01.06.2000
Komödie | Deutschland/1999

Während Wessis ihre Ost-Nachbarn von Aussichtsplattformen begaffen, versuchen die Bewohner des östlichen Abschnittes der Sonnenallee, ein halbwegs normales Leben zu führen. Der 17jährige Micha und seine Clique üben sich in Alltagsrebellion, und die Alten wagen ihre ganz eigene Mini-Subversion, wenn sie eingeschmuggelten Kaffee trinken oder von der Flucht in den Westen träumen.

Grau in grau stellt sich der Wessi die DDR vor. Dass hinter der Mauer auch der (Berliner) Bär steppt, zeigt Leander Haußmann in seinem schrägen Debütfilm über die 70er Jahre. Die Jungs und Mädels hauen auf die Pauke und wollen sich fernab der Staatsideologie amüsieren. Und Micha, der gerne Popstar werden möchte, hat nur Eine im Sinn, die unerreichbare Miriam. Leander Haußmann und Thomas Brussig, ausgezeichnet mit dem diesjährigen Drehbuchpreis, kommen beide aus der DDR, deshalb dürfen sie auch locker in dieser Burleske Stasi-Ängste und Blockwart-Mentalität in die Pfanne hauen. Mitten durch die Sonnenallee verläuft die deutsch-deutsche Grenze. Während auf der West-Seite Leute neugierig von Aussichtsplattformen "Zonis" wie Affen im Zoo beobachten, versuchen die Bewohner der anderen Seite der Sonnenallee ein halbwegs normales Leben zu führen. Das heißt für den 17jährigen Micha und seine Clique, die täglich am Kiosk herumhängen und dem örtlichen Polizisten (ABV) ein Dorn im Auge sind, verbotene Westmusik, ein paar kleine Freiheiten, mal ein Mix aus Asthmamittel, Club-Cola und Tollkirsche zur Bewusstseinserweiterung mangels der im Westen beliebten Hanfpflanze, oder - Gipfel der Tollkühnheit - das Urinieren auf den "antifaschistischen Schutzwall". Aber auch die Alten proben die Mini-Subversion im Alltag - da trinkt man selig vom Onkel Heinz "geschmuggelten" Kaffee, schaut Westfernsehen oder plant - wie Michas Mutter - mit dem gefundenen "grünen Pass" sich einfach rüberzumachen, um dann doch im entscheidenden Moment reumütig umzukehren. Witzig, manchmal zwischen schwarzem und plakativen Humor unschlüssig pendelnd, erzählt Leander Haußmann von kleinen und großen Träumen, läßt es so richtig menscheln, zeichnet seine Helden wider Willen mit liebevoller Zärtlichkeit. Und so ganz nebenbei kommt in dieser Komödie auch Politik ins Spiel, nicht nur wenn die einstigen Freunde ihre Rollen tauschen, der Rebell zum Kollaborateur wird und der Angepaßte gegen das System rebelliert. Dem Intendant des Bochumer Schauspielhauses gelingen wunderbare Szenen, wenn beispielsweise der schmächtige Micha seinen omnipotenten Wessi-Konkurrenten mit Sport-Schlitten bei der Angebeteten mit sprödem Ossi-Charme aussticht, der West-Onkel mit rutschfester Perrücke den allwissenden Larry markiert, der tumbe DDR-Grenzer beim Qualitätsvergleich eines echten (ost)deutschen Apfels mit den modischen (West)Lychees den Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus voraussagt oder eine Existentialistin einen Jungmann "entbübt". Hervorragend die Schauspieler: Allen voran Alexander Scheer, Henry Hübchen und Ignaz Kirchner, dessen Asche in der Kaffeedose landet. Mit diesen Pfunden könnte "Sonnenallee" wuchern. Daß der Film am 7. Oktober, dem 50. Jahrestag der DDR-Gründung startet, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. mk.

Verleih:
DCM
Regisseur:
Leander Haußmann
Mitwirkende:
Alexander Scheer (Micha Ehrenreich), Alexander Beyer (Mario), Katharina Thalbach (Mutter Ehrenreich), Henry Hübchen (Vater Ehrenreich), Detlev Buck (ABV)


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