Schwarze Schafe

Komödie | Spieldauer 99 Min.



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Schwarze Schafe


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FSK 0 2D

Länge 99 Min. | Erschienen am 02.08.2007
Komödie | Schweiz/Deutschland/2006

Fred (Kirk Kirchberger), seines Zeichens Chef-Satanist, hockt daheim rum, hört die Kelly Family und pflegt seine Großmutter. Charlotte (Jule Böwe) arbeitet als Touristenführerin auf der Spree und spielt einem Bekannten Reichtum vor. Auch Boris (Marc Hosemann) täuscht vor, Kohle zu haben. Als angeblicher Porschefahrer erschleicht er sich in einer Luxushotelsuite einen One-Night-Stand und verliebt sich erfolglos. Breslin (Robert Stadlober) und Julian (Tom Schilling) wollen arbeitslose Künstler ausnutzen, während eine Türkengang versucht Frauen anzubaggern. Mehrere Episoden über den ganz alltäglichen Großstadtwahn hat Oliver Rihs ("Brombeerchen") zu einer deftigen Anarcho-Komödie verarbeitet, in der alle Figuren scheitern dürfen. Das ist bissig bis vulgär, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und in Schwarzweiß.

Berlin als Treffpunkt schwarzer Schafe skizziert diese ausgelassene, anarchische Filmkomödie, die die Schweizer Oliver Rihs und Olivier Kolb mit minimalen Mitteln und maximalem Spaß - für Zuschauer und Team - realisiert haben. Auf internationalen und nationalen Festivals kam das aus skurrilen, gnadenlos komischen und den guten Geschmack extrem strapazierenden Episoden lose zusammengesetzte etwas andere Hauptstadtporträt bei Publikum und Kritik bestens an. Bei den Filmtagen in Hof etwa wurde es mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Das vielköpfige Autorenteam ließ sich zwar auch von den US-Indiekomödien eines John Waters oder Kevin Smith' inspirieren, brachte aber dennoch eine Menge eigener origineller Ideen ein. Etliche bekannte deutsche Schauspieler mussten nicht lange gebeten werden und spielten für maximal eine Handvoll Euro mit, z.B. Robert Stadlober und Tom Schilling. Sie mimen stinkfaule Möchtegern-Revoluzzer, die u.a. mit einem Klo durch Berlin fahren, das irgendwann unzweckmäßig benutzt wird. Jule Böwe spielt eine Berliner Göre, die sich als Reiseführerin auf einem Spreeboot durchschlägt und sich über eine schnieke Schulkameradin samt deren Münchner Anhang sowie ihren betrunkenen Freund (Milan Peschel) ärgert. Marc Hosemann ist ein ehemaliges Hand-Modell, der sich von seiner Hand trennen will, um die Versicherung zu kassieren. Außerdem gibt es noch eine Gruppe deutsch-türkischer Freunde, die bei ihren machomäßigen Anmachen nicht besonders gut ankommen und zwei gutmütige Satanisten, die ihre Oma für ein Sex-Ritual missbrauchen. Das klingt grenzwertig, ist aber mitunter sehr witzig. Auch wenn nicht alle Episoden oder Gags überzeugen können, funktioniert das Low-Budget-Werk alle Mal als Berlin-Film, der die Stadt jenseits der touristischen Mitte in Sprache(n), Atmosphäre und jungem Lebensgefühl treffend wiedergibt. Den perfekten Soundtrack dazu liefert King Khan und die für den Inhalt fast zu schöne, stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Fotografie Produzent und Koautor Kolb. Schweizer sind eben die besseren Berliner bzw. Berlinbeobachter. hai.

Verleih:
BBQ (Filmwelt)
Regisseur:
Oliver Rihs
Mitwirkende:
Marc Hosemann (Boris Wecker), Bruno Cathomas (Roger), Jule Böwe (Charlotte Heinze), Milan Peschel (Peter), Robert Stadlober (Breslin)