Kinshasa Symphony

Dokumentarfilm/Musik | Spieldauer 98 Min.



Kinshasa Symphony


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FSK 0 2D

Länge 98 Min. | Erschienen am 23.09.2010
Dokumentarfilm/Musik | Deutschland/2010

In Kinshasa, der Zehn-Mio.-Metropole und Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, gehen die Mitglieder des nach eigenen Aussage weltweit einzigen Orchesters, in dem nur Schwarze spielen, ihrer Leidenschaft nach. Von der Armut und den zerrütteten Verhältnissen des bis vor wenigen Jahren noch im Chaos eines Bürgerkriegs versinkenden Landes geprägt, ist für die Musiker das fast tägliche Proben im Orchester vor allem eine Möglichkeit der Flucht. Dabei legen sie ebenso viel Leidensfähigkeit wie Improvisationstalent an den Tag. Und auch die Lebensfreude kommt nicht zu kurz.

Götterfunken: Den Alltag eines afrikanischen Do-it-Yourself-Orchesters beim Einstudieren von Beethoven untersucht dieses etwas andere Dokuprojekt. Afrikanische Musiker bringt man selten mit deutscher Klassik in Verbindung. Von dieser im wahrsten Wortsinn unerhörten Begebenheit erzählt die Dokumentation von den beiden ausgewiesenen Klassik- und Opernspezialisten Claus Wischmann und Martin Baer. Das - angeblich - einzige Orchester der Welt, in dem nur Schwarze spielen, fanden sie in der Zehn-Millionen-Metropole Kinshasa, der Hauptstadt des zentralafrikanischen Kongos. In dem Land, das bis vor kurzem von Bürgerkriegen zerfleischt wurde, grassiert die Armut. So wundert es nicht, dass die Mitglieder des Orchesters als Autodidakten auf ihr Improvisationstalent angewiesen sind: Sie bauen sich ihre einst in Plünderungswellen geraubten Instrumente selber nach, üben im Verkehrssmog unter freiem Himmel, nehmen als Ersatz für eine gerissene Saite schon mal das Bremskabel eines Fahrrads. Not macht erfinderisch. Vor allem aber sind sie Laien, die ihr karges Brot in kräftezehrenden Jobs verdienen müssen, bis sie nach Feierabend fast täglich gemeinsam üben. Zwar kann es schon vorkommen, dass die Chorprobe der Überzeugungstäter bei Beethovens Ode "An die Freude" durch eine Abgaswolke in einem Hustenanfall endet. Aber die Musiker nehmen es mit Gleichmut hin, wenn permanente Stromausfälle sie im Dunkeln sitzen lassen oder der infernalische Verkehrslärm der mal staubigen, mal matschigen Straßen ihre Stimmen respektive Instrumente übertönt. Verglichen mit europäischen Orchestern mit ihrer pedantischen Perfektion, reicht die Leistung von Katzenjammer bis zu hinreißenden Momenten. Da muss man als Dirigent schon einiges an Leidensfähigkeit mitbringen. Gemessen an den Umständen aber ist es eine sagenhafte Leistung. Und genau das ist das Thema: Wie die einzeln vorgestellten Akteure in ihrem von Geldsorgen und Problemen geprägten Alltag ihre Menschlichkeit, ihre Würde wahren. "Wenn man seine Probleme schon nicht lösen kann, durch die Musik vergisst man sie", sagt einer von dem halben Dutzend, dem Wischmann und Baer in ihr Leben folgen. Deshalb betreiben sie ihr für den landestypischen Musikgeschmack exotisches Projekt mit so viel Herzblut und Hingabe. tk.

Verleih:
Salzgeber
Regisseur:
Claus Wischmann


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