Inside Llewyn Davis

Drama/Komödie | FSK 6 | Spieldauer 105 Min.



Inside Llewyn Davis


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FSK 6 2D

FSK 6 | Länge 105 Min. | Erschienen am 05.12.2013
Drama/Komödie | USA/2013

Llewyn Davis ist ein talentierter junger Musiker in der gerade aufkeimenden Folkszene im Greenwich Village des Jahres 1961. So sehr er sich auch anstrengt, er bekommt keinen Fuß in die Tür. Wenn ihm nicht andere Hindernisse in den Weg legen, stellt er sich mit seiner aufbrausenden Art selbst ein Bein. Als er hört, dass er eine Anstellung in einem großen Club in Chicago bekommen könnte, begibt sich Llewyn auf eine Reise, die sich als regelrechte Höllenfahrt mit ungewissem Ausgang entpuppt.

Mit diesem großartigen Streifzug durch die New Yorker Folkszene vor Bob Dylan liefern die Coen-Brüder ihr bislang wohl perfektestes und hintergründigstes Porträt eines Pechvogels. Zweieinhalb Jahre haben die Coen-Brüder verstreichen lassen, um ihrem bis dato kommerziell erfolgreichsten Film, "True Grit", eine neue Regiearbeit folgen zu lassen. Wenn überhaupt, ist ihr Blick noch präziser, ihre Kontrolle über das Medium Film noch kompletter, ihr Humor noch trockener, ihr von jeher schmunzelnder Blick auf die menschliche Existenz noch belustigter geworden. Die 16. Regiearbeit des Brüderpaars - ihr erster Film in Cannes seit ihrem späteren Oscar-Gewinner "No Country For Old Men " im Jahr 2007 - führt zurück ins Greenwich Village des Jahres 1961. Noch vor der Ankunft Bob Dylans und der Folk-Explosion ein Jahr später müht sich eine kleine Gruppe Überzeugter in verrauchten Bars noch vergebens, mit ihrem Vortrag traditioneller amerikanischer Volksmusik einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Einer dieser Eingeschworenen ist Llewyn Davis, ein nicht untalentierter Sänger und Musiker, wie er gleich in der ersten Szene mit dem live eingespielten Traditional "Fare Thee Well" unter Beweis stellt. Allerdings fehlt es dem attraktiven jungen Mann an unvergleichlicher Ausstrahlung, am nötigen Charisma, um die Menschen zu bannen, zumal er sich mit seiner Misanthropie ein ums andere Mal selbst ein Bein stellt. Mit seiner Gitarre stapft er durch den eisigen Winter New Yorks, schläft auf jeder Couch, die ihm angeboten wird, schnorrt Kohle und hofft unverdrossen auf den Durchbruch. Aber alles, was Llewyn Davis, der offenkundig dem weithin vergessenen Folk-Pionier Dave Von Ronk, aber ein bisschen auch Dylan und Phli Ochs nachempfunden ist, anpackt, ist zum Scheitern verdammt - "Du bist König Midas' idiotischer Bruder", zeiht ihn die Frau eines befreundeten Musikers, die womöglich nach einem einmaligen Abenteuer von Llewyn schwanger ist und ihn dazu drängt, ihre Abtreibung zu finanzieren. Um auf einen grünen Zweig zu kommen, tritt der leicht aufbrausende Musiker eine Reise nach Chicago an, um dort dem einflussreichen Manager Grossman vorzusingen. Sie entpuppt sich als eine jener bizarren, albtraumhaften Odysseen, die die Coens beherrschen wie kein anderer Filmemacher. Wie überhaupt der ganze Film mit diesen typischen grotesken Typen angefüllt ist, die man kaum jemals wieder vergessen wird: Herausragend sind die Auftritte von John Goodman als heroinsüchtiger Jazzer, der auf dem Rücksitz des Autos, das Llewyn nach Chicago bringen soll, vollmundige Lebensweiheiten ausspuckt, Garrett Hedlund als wortkarger Fahrer und F. Murray Abraham als knochentrockener Impresario. Auch Carey Mulligan gefällt hier viel besser als in "Der Große Gatsby". Aber der Film gehört Oscar Isaac ("Drive") in seiner ersten großen Hauptrolle: Wie er zunehmend müder durch die Straßen stapft, die meiste Zeit eine rote Katze im Arm, die er mit sich aus einer Wohnung ausgesperrt hat und wieder abliefern will, was sich ebenfalls als unendlich komplizierte Geschichte erweist, immer leicht gereizt und fassungslos, dass es ihm nicht gelingen will, einen Fuß in die Tür zu bekommen, ist große Klasse. Schließlich ist die Musik, die wie schon in "O Brother, Where Art Thou? " wieder von T Bone Burnett ausgewählt wurde, das Tüpfelchen auf dem I: Mehrere Nummern erhielten in Cannes spontanen Szenenapplaus. Zurecht. Ein großartiger Film. ts.

Verleih:
Studiocanal
Regisseur:
Joel Coen
Mitwirkende:
Oscar Isaac (Llewyn Davis), Carey Mulligan (Jean Berkey), John Goodman (Roland Turner), Garrett Hedlund (Johnny Five), Justin Timberlake (Jim Berkey)


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