Im Spinnwebhaus

Drama | FSK 12 | Spieldauer 96 Min.



Im Spinnwebhaus


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FSK 12 2D

FSK 12 | Länge 96 Min. | Erschienen am 31.03.2016
Drama | Deutschland/2014

Das Drama erzählt mit eindrucksvollen Schwarzweißbildern die Geschichte dreier verwahrloster Kinder. Die Handlung dieses Langfilmdebüts von Mara Eibl-Eibesfeldt erinnert an Niki Steins Drama "Der große Tom" (2008), was nicht überrascht, denn die Drehbücher basieren vermutlich auf den gleichen Zeitungsberichten: Beide Filme handeln von einem Jungen, der sich unbemerkt von der Umwelt viele Monate lang um seine kleineren Geschwister gekümmert hat, nachdem die Mutter von einem Tag auf den anderen verschwunden war. Eibl-Eibesfeldt erzählt die Geschichte allerdings weitaus radikaler als Stein und konzentriert sich fast ausschließlich auf die Kinder. Sie selbst betrachtet den Film ohnehin weniger als Sozialdrama, sondern als "modernes Märchen in Schwarz-Weiß." Tatsächlich ist die Bildgestaltung von Jürgen Jürges famos, und das nicht allein wegen der ungewohnten Farblosigkeit; gerade bei den Nachtaufnahmen und beim Spiel mit Licht und Schatten sind dem Kameramann immer wieder eindrucksvolle Aufnahmen gelungen. Auch Jürges' bemerkenswerte Bilder können allerdings nicht kaschieren, dass "Im Spinnwebhaus" deutliche dramaturgische Schwächen hat. Eine Struktur ist nicht zu erkennen, das Drehbuch reiht Episode an Episode, weshalb es keine Spannungssteigerung gibt; auch der Schluss ist etwas kraftlos. Das überrascht, denn Autorin Johanna Stuttmann hat die Vorlagen für einige sehr gute Filme geliefert, darunter die beiden ersten Arbeiten von Brigitte Maria Bertele, "Nacht vor Augen" (2008) und "Der Brand" (2010). Umso imposanter ist die Führung der drei Kinder. Gerade Ben Litwinschuh ist als zwölfjähriger Jonas beeindruckend. Sehr natürlich wirkt auch Helena Pieske als fünfjährige Marie. Einzig Lutz Simon Eilert stolpert mitunter über seine Dialoge, spielt seine Rolle als Nervensäge ansonsten aber gut. Anders als Stein liefert Stuttmann eine Erklärung für das Verhalten der Mutter: Sabine hat, wie sich später rausstellt, psychische Probleme. Die Französin Sylvie Testud ("Jenseits der Stille") verkörpert ihre Figur entsprechend ambivalent: Beim ausgelassenen Spiel erscheint die alleinerziehende Mutter zu Beginn selbst wie ein großes Kind, aber kurz drauf wirkt sie um Jahre gealtert. Als ihr Versuch, die Kinder beim Vater (Matthias Koeberlin) unterzubringen, scheitert, überlässt sie die drei ihrem Schicksal, um ihre Dämonen zu besiegen. Später findet Jonas ihre Tagebücher und erkennt: Die Dämonen, das sind er und seine Geschwister. Der einzige Erwachsene, zu dem er Vertrauen fasst, ist ein obdachloser Punk (Ludwig Trepte), den Eibl-Eibesfeldt wie einen Waldgeist aus einer modernen Shakespeare-Adaption inszeniert. tpg.

Verleih:
missingFilms
Regisseur:
Mara Eibl-Eibesfeldt
Mitwirkende:
Ben Litwinschuh (Jonas), Lutz Simon Eilert (Nick), Helena Pieske (Miechen), Ludwig Trepte (Felix), Matthias Koeberlin (Sven)


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