I Am Love

Drama | FSK 12 | Spieldauer 119 Min.



I Am Love


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FSK 12 2D

FSK 12 | Länge 119 Min. | Erschienen am 28.10.2010
Drama | Italien/2009

Wer zum Recchi-Clan gehört, der hat es geschafft. Die einflussreiche Mailänder-Modedynastie hat Luxus und Macht im Überfluss. So auch Emma, die das Oberhaupt der Familie geheiratet hat und mittlerweile drei erwachsene Kinder vorweisen kann. Angehoben und fast schon weltfremd taumelt sie durch Banketts und Bälle, trotz des Überflusses aber immer noch auf der Suche nach Erfüllung. Die scheint ihr Antonio, der Koch, bieten zu können. Er verzaubert die Frau zunächst mit seinen Kochkünsten und schließlich auch mit sich selbst und öffnet dadurch Emma die Augen.

Das Mailänder Familienporträt, in dem Tilda Swinton ihre Leidenschaft zu einem Koch entdeckt, schlägt Cineasten in seinen Bann. Keine Frage: "Io sono l'amore" ist ein Kunstfilm, der auf Festivals bereits mächtig Staub aufgewirbelt hat. Seinen Spielfilm dirigiert Luca Guadagnino, der zuvor mit der Skandal-Bestseller-Adaption "Melissa P." nur deutsche Videotheken erreichte, so poetisch-waghalsig wie eine Arie, die in einer Novelle Gustave Flauberts gesungen wird. Zunächst entfaltet die Kamera von Yorick Le Saux (arbeitet sonst für François Ozon) mit beiläufiger Eleganz ein Bildnis der wohlhabenden Mailänder Textilfabrikantenfamilie Recchi. Man wohnt dem Treiben eines Fests bei, das offenbar nur mit Naturlicht den Prunk der Snobs und ihrer Dienerschaft abbildet. Während sich das Panorama rund um die Russin Emma (Tilda Swinton wie Meissner-Porzellan in der Madame-Bovary-Rolle) entfaltet, die in die alteingesessene Magnaten-Sippe eingeheiratet hat und als Signora drei erwachsene Kinder vorweisen kann, hat man genug Zeit Andeutungen und Zitate aus den "Buddenbrooks" und italienischen Klassikern von "Der Leopard" bis zum Mailand-Epos "Rocco und seine Brüder" zu entdecken. Derweil legt Guadagnino, der mit drei Autoren die eigene Story adaptierte, seine Fährten so spröde und mit dramaturgischen Aussparungen aus, dass man sich lange auf die Pointe gedulden muss. Die kommt aber - und zwar in einem ästhetischen Rausch, der überwältigt und ohne jeden Kompromiss wie eine Oper Leidenschaften durchbuchstabiert: Emma verliebt sich zunächst in die Kochkunst des begnadeten Antonio, dann in ihn. Und schon ist aus einer behäbigen Familienchronik eine passionierte Amour Fou geworden, die mit orchestraler Musik und offenherzigen Liebesszenen eine stilistische Orgie offenbart, die sich nicht darum schert, ob man sie als prätenziös und bedeutungsschwer, oder als kunstfertig und revolutionär erlebt. Eine von "Vertigo", diversen Wagner-Opern bis hin zu klassischen französischen und russischen Literaten reichende Entdeckungsreise für den aufgeschlossene Kulturmenschen, der sich auf ein exquisites Kunstdrama und einer herausragenden Tilda Swinton freuen darf. tk.

Verleih:
MFA (24 Bilder)
Regisseur:
Luca Guadagnino
Mitwirkende:
Tilda Swinton (Emma Recchi), Flavio Parenti (Edoardo Recchi Jr.), Edoardo Gabbriellini (Antonio Biscaglia), Alba Rohrwacher (Elisabetta Recchi), Pippo Delbono (Tancredi Recchi)


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