Hereafter - Das Leben danach

Drama/Mystery | FSK 12 | Spieldauer 128 Min.



Hereafter - Das Leben danach


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FSK 12 2D

FSK 12 | Länge 128 Min. | Erschienen am 27.01.2011
Drama/Mystery | USA/2010

Die französische Fernsehjournalistin Marie wird beim Urlaub in Thailand vom Tsunami überrascht, von der Flutwelle mitgezogen und ertrinkt - bis sie nach mehreren Minuten ins Leben zurückgerissen wird. Die Zwillinge Marcus und Jason in London müssen ihr Leben in London meistern, weil ihre alleinerziehende Mutter sie zwar liebt, aber wegen ihrer Drogenabhängigkeit nicht dazu in der Lage ist - bis ein Unfall ihre Existenz völlig auf den Kopf stellt. Der Fabrikarbeiter George in San Francisco kann von Kindesbeinen an mit den Toten kommunizieren, was es ihm unmöglich macht, normale Beziehungen zu führen. Auf verblüffende Weise streben die Figuren aufeinander zu.

So also sieht es aus, wenn sich Clint Eastwood dem Jenseits annimmt, wenn sich das Urgestein des amerikanischen Erzählkinos dem Genre des fantastischen Films annähert. Er fängt mit einem großen Knall an - in der vermutlich komplexesten Effektszene seiner Laufbahn - und lässt sich danach nicht mehr aus der Ruhe bringen, ohne Tricks und doppelten Boden, immer ganz nah dran an den Protagonisten, deren Suche nach einer Erklärung für ihre Erlebnisse ihnen keine Ruhe lässt. Nach einem Drehbuch von "Die Queen"-Autor Peter Morgan folgt er parallel drei Menschen in drei Ländern, die nach Erfahrungen mit dem Jenseits nicht mehr zu Ruhe kommen und nach Katharsis streben. Mit wunderbarer Kratzbürstigkeit widersteht Eastwood dem Druck, im Verlauf der Geschichte noch ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern. Der Gimmick ist, dass es keinen Gimmick gibt, höchstens ein paar Zufälle und ein gewisser Glaube an Vorbestimmtheit, vor allem aber ein Gespür dafür, dass das Bedürfnis nach einer Auseinandersetzung gerade in turbulenten Zeiten wie diesen, in denen die Angst vor Naturkatastrophen und Terrorismus die Menschen beschäftigt und verstärkt die Auseinandersetzung mit dem Tod suchen lässt. Hauptdarsteller Matt Damon sagte, dass "Hereafter" Eastwoods "europäischer Film" sei - und meint damit nicht nur die Locations, sondern den erzählerischen Ansatz, dessen Mangel an Effekthascherei einem so zu Herzen geht. Wie auch nicht? Was seine Figuren erlebt haben, muss sie zwangsläufig aus der Bahn werfen: Da ist der Fabrikarbeiter George in San Francisco, gespielt von Damon, der seit seiner Kindheit die Gabe besitzt, mit den Toten zu kommunizieren, aber an dieser Fähigkeit zu zerbrechen droht, weil es ihm unmöglich ist, andere Menschen zu berühren. In London muss ein zehnjähriges Zwillingsbrüderpaar den Alltag mit einer zwar liebenden, aber drogenabhängigen Mutter meistern, bis ein Unfall ihr Leben auf grausame Weise auf den Kopf stellt. Und schließlich ist da die erfolgreiche französische Fernsehreporterin Marie, dargestellt von Cecile de France, mit deren Geschichte "Hereafter" mit einem großen Knall beginnt: Sie ist 2004 im Urlaub in Thailand, als der Tsunami ihren Urlaubsort verwüstet. Sie selbst wird von der Flutwelle mitgerissen, eine Straße entlanggespült und schließlich bewusstlos geschlagen. Sie ertrinkt, ist tot, mehrere Minuten lang, erlebt das Jenseits, bis sie wieder ins Leben zurückgerissen wird. Weil sie von diesem Erlebnis nicht mehr losgelassen wird, lässt sie ihre Karriere und ihr altes Leben in Paris zurück und begibt sich auf die Suche - wie auch die beiden anderen Hauptfiguren. Viel Zeit verbringt Eastwood mit seinen Figuren, folgt ihnen durch ihren Alltag, zeichnet ihre wachsende Verzweiflung und Frustration auf, keinen Platz mehr im Alltag zu haben. Bis sich ausgerechnet Charles Dickens als vereinendes Bindeglied ihrer Odyssee erweist. Eastwood wäre nicht Eastwood, wenn er sich wirklich für Antworten auf Fragen über das Jenseits interessieren würde. In seiner Charakterstudie geht es schließlich um Katharsis und Erlösung, um einen Ausweg aus dem Chaos. Das rückt den stilistisch und inhaltlich so anderen Film dann doch wieder ganz nah an Eastwood-Filme wie "Gran Torino" oder "Million Dollar Baby", die auf ihre Weise auch Reflektionen über das Sterben waren. Weil "Hereafter" zwar nach Resolution strebt, aber auf einen leicht verdaulichen und bequemen emotionalen Höhepunkt verzichtet, fühlt sich der Film auf faszinierende Weise unfertig an: Schließlich geht es um eine einfache Berührung und nicht mehr. Aber wie Eastwood sich mit 80 Jahren als Regisseur noch einmal auf Terra incognita bewegt, wie er Neues ausprobiert und sich nicht mit dem Erreichten zufrieden gibt, bestätigt einmal mehr, dass er in seiner eigenen Liga spielt. ts.

Verleih:
Warner
Regisseur:
Clint Eastwood
Mitwirkende:
Cécile de France (Marie LeLay), Thierry Neuvic (Didier), Cyndi Mayo Davis (Hotelangestellte), Matt Damon (George Lonegan), George McLaren (Marcus/Jason)


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