Hai-Alarm am Müggelsee

Komödie | FSK 12 | Spieldauer 103 Min.



Hai-Alarm am Müggelsee


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FSK 12 2D

FSK 12 | Länge 103 Min. | Erschienen am 14.03.2013
Komödie | Deutschland/2013

Als dem Bademeister im Müggelsee der Arm von einem Hai abgebissen wird, herrscht Chaos in der Gemeinde Friedrichshagen. Während eine vom Bürgermeister Müller eilig einberufene Expertenkommission beschließt, den Hai-Alarm auszurufen, kehrt der berüchtigte Haijäger Snake Müller nach jahrelangem Exil auf Hawaii in die Heimat zurück, als seine gefälschte Green Card auffliegt. Er soll sich um das Monster kümmern, dass das Süßwasser unsicher macht, hat aber bald noch ganz andere Sorgen am Hals. Frauensorgen...

Hinreißende Chaos-Groteske über eine kleine Berliner Gemeinde, die vermeintlich von einem Monster bedroht wird. Morgendliche Idylle am Müggelsee, das größte Binnengewässer Berlins ganz im Osten der Stadt. Verschlafene Stimmung. Der Bademeister watet ein paar Meter ins Wasser. Prüfend hält er den rechten Arm kurz unter die Oberfläche. Als er ihn wieder herauszieht, ist ein wild blutender Stumpf alles, was davon geblieben ist. "Waddn diddn?", fragt der Bademeister ungerührt. Schnitt auf die Titel. Waddn diddn? Das ist eine Frage, die man sich auch als Zuschauer stellt am Anfang des Kinoschwanks von Leander Haußmann und Sven Regener. In vermeintlich willkürlicher Abfolge reihen sich die ersten Szenen aneinander. Sie sind grotesk, absurd, dadaistisch, albern, low-budget und low-fi, uninteressiert an den Gesetzen der Vernunft und Logik. So entschlossen formulieren die Herren Regisseure ihre Absicht, unter allen Umständen witzig sein zu wollen, dass man irritiert ist: Schlimmer als ein erklärter Witz ist vermutlich nur ein Witz, der mit erklärtem Ernst erzählt wird. Aber nach und nach macht "Hai-Alarm am Müggelsee" auch etwaige Zweifler mürbe und zu Adepten: So konsequent ist das Konzept und so virtuos seine Umsetzung, dass man sich einlässt auf diesen kuriosen Unsinn, der an Helge Schneider ebenso erinnert wie an die Farrellys, an eine deutsche Comedy-Tradition, wie sie in den Siebzigern im Fernsehen von "Klimbim" oder "Nonstop Nonsens" geradezu meisterlich gepflegt wurde. Selbst Spuren von Achternbusch und Kaurismäki finden sich in dieser Kommunalgroteske, die sich mit den Mitteln der Anarchokomödie an der Handlung von "Der weiße Hai" entlang hangelt: Es gibt ein Monster - dass man nie zu sehen bekommt. Es gibt einen zögerlichen Haudegen namens Snake - nur dass er keine Augenklappe, sondern einen Bierbauch hat und es auch sonst eher gemütlich angehen lässt. Es gibt einen Fischforscher, auf den niemand hört, einen Großgrundbesitzer, dem das wirtschaftliche Wohl wichtiger ist als die Gesundheit der Menschen, einen Bürgermeister, der seine Gemeinde liebt, aber von der Situation sichtlich überfordert ist, eine kesse Marketingspezialistin, die ihre große Chance gekommen sieht, und Polizisten, auf deren Ordnungssinn unbedingt Verlass ist. Haußmann und Regener begleiten das Geschehen als griechischer Chor mit ein paar eingängigen Liedern, wie es Nat King Cole einst in "Cat Ballou" tat. Das präzise choreographierte Chaos, das Haußmann und Regener, die zuvor bereits an "Herr Lehmann" gemeinsam gearbeitet hatten, damals aber noch getrennt als Regisseur und Autor, entfesseln, erinnert an Richard Lesters großartigen Beatles-Film "Hi-Hi-Hilfe": Weil alles erlaubt ist, was Spaß macht, und das in bisweilen atemberaubend innovativ realisierten Plansequenzen, ist "Hai-Alarm am Müggelsee" auch ein herzhaft antiautoritäres Statement, das nicht nur Quatsch macht, sondern auch viel erzählt über die Dynamik in kleinen Gemeinden. Das danken Schauspieler wie Henry Hübchen, Michael Gwisdek, Tom Schilling und Benno Fürmann mit entfesselt uneitlen Auftritten. Und das sollte, will man meinen, auch ein großes Kinopublikum honorieren. ts.

Verleih:
X Verleih
Regisseur:
Leander Haußmann
Mitwirkende:
Henry Hübchen (Bürgermeister), Michael Gwisdek (Bademeister), Uwe-Dag Berlin (Snake Müller), Anna-Maria Hirsch (Vera Baum), Tom Schilling (Fischexperte)


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