Der Kreis

Drama | FSK 12 | Spieldauer 106 Min.



Der Kreis


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FSK 12 2D

FSK 12 | Länge 106 Min. | Erschienen am 23.10.2014
Drama | Schweiz/2014

Ende der Fünfzigerjahre kommt der aus dem sittenstrengen Deutschland geflohene Literaturlehrer Ernst nach Zürich. Er abonniert die Kunstzeitschrift "Der Kreis", das zu jenem Zeitpunkt weltweit einzige Schwulenmagazin. Auf den davon organisierten Tanzabenden verliebt er sich in Friseur und Travestiekünstler Röbi, dem Gesangsstar der Verbindung. Während Röbis Mutter ihre Beziehung unterstützt, muss Ernst sie vor seinen konservativen Eltern geheim halten. Als Mitte der Sechzigerjahre Stricher schwule Kunden ermorden, macht die Polizei Opfer zu Tätern und beginnt eine brutale Hetze.

Mit dem Teddy Award ausgezeichnetes Doku-Drama um den Züricher Homosexuellen-Zirkel, der 1967 aufgelöst wurde. 2003 heirateten Ernst Ostertag und Röbi Rapp, zwei Pioniere der eidgenössischen Schwulenbewegung, als erstes gleichgeschlechtliches Paar der Schweiz. In gemeinsamen Interviewausschnitten erinnern sie (und andere Zeitzeugen) sich an ihre Liebesgeschichte, die 1958 begann und lange im Untergrund stattfand, einschließlich dauernder Angst vor Entdeckung, Denunziation und Repressalien. Dem Gesetz nach war die Schweiz damals zwar liberal, Homosexualität aber gesellschaftlich geächtet. Beider Geschichte ist untrennbar mit derjenigen der Literatur- und Kunstzeitschrift "Der Kreis" verbunden, des anfangs weltweit einzigen Schwulenmagazins, wo man subversiv die Kontrollinstanzen der Sittenzensur unterlief. Der Schweizer Stefan Haupt ("Elisabeth Kübler-Ross") wollte zunächst einen reinen Spielfilm daraus machen, flocht wegen Finanzierungsschwierigkeiten aber Doku-Aufnahmen mit ein; sie vervollständigen informativ die atmosphärisch gelungenen, treffend ausgestatteten und emotional überzeugenden fiktionalen Szenen, die mit dem deutschstämmigen Lehramtsanwärter Ernst (Matthias Hungerbühler) beginnen. Für die Aufnahme in den Kreis riskiert er seinen Job, beim ersten Tanzabend verliebt er sich in Friseur und Travestiekünstler Röbi (Sven Schelker), den Gesangsstar der Verbindung. Während Röbis Mutter (liebenswert: Marianne Sägebrecht) ihren Sohn unterstützt, halten Ernsts konservative, gutbürgerliche Eltern Schwule für "seelische Krüppel", ohne seine sexuelle Orientierung zu ahnen. Dass er sich zu ihren Lebzeiten nie outete, ist eine tragische Randnotiz - und nicht die einzige. Zwar war das mondäne Zürich zeitweilig eine ideale Zuflucht der Szene, weil kein inkriminierender Paragraf 175 wie in Deutschland herrschte. Aber als Stricher zwei Morde an Schwulen begingen, nahmen die Behörden dies zum willkommenen Anlass für eine Hetzkampagne gegen das Milieu. Ans heutige Russland erinnernde Demütigungen, Erpressungen und Misshandlungen eines widerlichen Polizeiapparats beendeten 1967 die Geschichte des Kreises. Der in Berlin mit dem Teddy Award sowie dem Publikumspreis ausgezeichnete Film unterbreitet ein Stück unbekannter (Züricher) Zeitgeschichte. Und das anhand einer vor Eifersucht nicht gefeiten Liebe (Auftritt: Anatole Taubman mit Bleistiftbärtchen), die ihren Traum, eines Tages in Freiheit zu leben, schließlich verwirklichen konnte. tk.

Verleih:
Salzgeber
Regisseur:
Stefan Haupt
Mitwirkende:
Matthias Hungerbühler (Ernst Ostertag), Sven Schelker (Röbi Rapp), Anatole Taubman (Felix), Marianne Sägebrecht (Erika Rapp), Stefan Witschi (Rolf)


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