Berlin Calling

Drama | FSK 12 | Spieldauer 109 Min.



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Berlin Calling


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FSK 12 2D

FSK 12 | Länge 109 Min. | Erschienen am 02.10.2008
Drama | Deutschland/2008

Berlin der 90er Jahre: Techno ist der Sound der Stunde. Club-DJ Ickarus alias Martin (Paul Kalkbrenner) ist einer der ganz Großen des Geschäfts und will gerade ein Album veröffentlichen. Mit seiner Managerin und Freundin Mathilde (Rita Lengyel) reist er um die Welt von einem Tanzclub zum anderen, um keinen Party-, Sex- und Drogenexzess auszulassen. Das hat Folgen: Nach starkem Drogenkonsum landet er in der Entzugsklinik von Dr. Paul (Corinna Harfouch). Jüngste Kulturzeitgeschichte erwacht zu wummerndem Leben in einem tragikomischen Gesellschaftsporträt der genusssüchtigen Rave Nation. Alptraumhaft gerät der musikalische Trip durch die Techno-Metropole Berlin, wo Hannes Stöhr das Lebensgefühl einer Generation einfängt.

Willkommen im Club: Das Lebensgefühl einer ganzen Generation spiegelt sich in DJ Paul Kalbrenners albtraumhaftem Musik-Trip durch die Berliner Techno-Szene wieder. Die Hauptstadt als Schauplatz großer Gefühle und noch größerer Abstürze. Alles rau und radikal. Da ist der Stoff, aus dem Berlinfilme sind, mit Helden als "lonesome riders" im nächtlichen Dschungel der Metropole. Auf dieser Welle reitet auch "Berlin Calling" und kriegt doch die Kurve zur kraftvollen Tragikomödie. Beim wummernden Techno-Sound balanciert der Elektro-Komponist Martin Karow (Paul Kalkbrenner) als DJ Ickarus am Abgrund entlang, mit seiner Managerin und Freundin Mathilde (Rita Lengyel) reist er weltweit von einem Tanzclub zum anderen, einer der ganz Großen seines Geschäfts, der gerade ein neues Album vorbereitet und damit den ultimativen Durchbruch anstrebt. Doch eine falsche bunte Pille bringt ihn auf einen Horrortrip und in die Klinik, wo die Ärztin (Corinna Harfouch) schizophrene Schübe und im Blut alle Partydrogen bis auf Heroin diagnostiziert. Die nun folgenden Stationen hakt Hannes Stöhr als immer schnelleres Auf und Ab hastig ab. Erst genießt der Patient noch Privilegien und Freiheiten, bis er unerlaubt abhaut und "feiertechnisch" gut drauf ist, im Klartext: ein Groupie vernascht, mit seiner Freundin und deren lesbischen Flamme zu Dritt im Laken liegt und im Kokainrausch das Büro der Plattenproduzentin zerlegt, weil die sein Album auf Eis gelegt hat. Dem Protagonisten wird nichts geschenkt beim Weg durch die Therapie bis zur (vorläufigen) Heilung. Nicht umsonst erinnert der Name an den mythologischen Ikarus, der beim übermütigen Höhenflug der Sonne zu nah kam und abstürzte. So will auch dieser Ickarus hoch hinaus und zahlt einen hohen Preis dafür, wenn ihm Leben und Liebe entgleiten, die schmerzhafte Kamikaze-Fahrt endet scheinbar versöhnlich mit dem Record Release. Alles auf Anfang? So ganz darf man Hannes Stöhr da nicht trauen bei seinem vielschichtigen Musiker-Porträt, gleichzeitig auch Porträt der 90er Jahre und einer Generation zwischen Hedonismus und harter Realität. Denn irgendwann ist jede Party mal vorbei. Auch wenn sich die Kamera immer wieder auf den DJ und seine Beats richtet, geht es um mehr als nur Techno, Drogen und Clubbing. "Berlin Calling" handelt von universellen Themen wie Kunst und Freiheit, Wahnsinn und Ekstase, Familie und Freundschaft. DJ Paul Kalkbrenner, der mit einer Schauspielkarriere liebäugelt, spielt die Figur mit beängstigender Intensität. Der von ihm - bis auf einen Gasttrack von Sascha Funke - komponierte Soundtrack ist emotionale Elektronik pur. mk.

Verleih:
Movienet
Regisseur:
Hannes Stöhr
Mitwirkende:
Paul Kalkbrenner (DJ Ickarus), Rita Lengyel (Mathilde), Corinna Harfouch (Prof. Dr. Petra Paul), Araba Walton (Corinna), Megan Gay (Alice)